Hochwasser in Polen – und die Eutiner Ruderer auf dem Trockenen­

 

Eutin/Breslau. Polen ist ein reizvolles Reiseland. Flächenmäßig ähnlich groß wie Deutschland, hat es mit 38 Millionen Menschen nur halb so viele Einwohner und dementsprechend viel unberührte Natur. Aus den Sudeten und Karpaten kommen Flüsse in teilweise seltener Ursprünglichkeit und ziehen durch weite Wälder, Wiesen und Auenlandschaften mit ihren Störchen, seltenen Wasservögeln und Bibern. Also wurde es Zeit, dass sich für die Sommerfahrt dieses Jahres eine Gruppe von zwölf gestandenen Wassersportlern des Germania Ruderverein Eutin auf den Weg machte, um in Ruderbooten, von Breslau ausgehend, die Oder in Richtung deutscher Grenze zu erkunden.

 

Aber wie so häufig im Leben kam alles ganz anders. Die Natur zeigte, dass sie auf Erden immer noch das Sagen hat. In den Bergen Schlesiens hatten bereits Tage zuvor sintflutartige Regengüsse eingesetzt, die Gebirgsbäche waren zu lehmigbraunen Flüssen angeschwollen. Die traurige Nachricht für die GRVE-Mannschaft: Ruderverbot bereits nach der ersten Tagesetappe auf der bis dahin noch friedlich fließenden Oder. Wie von den Wasserbehörden zu hören war, bestand die Gefahr einer Flutwelle, die besonders für Sportboote hätte verhängnisvoll werden können. Somit war die Ruderwanderfahrt beendet. Die Flutwelle kam tatsächlich, stürzte in riesigen Wassermassen, Wirbel bildend, abwärts zu Tal und setzte das Land zwischen den Deichen über Kilometer unter Wasser. Gelegentlich traf man auf Rinder, die bis zum Bauch im Wasser standen.

 

Nun galt es, für die ausgefallene Ruderwanderfahrt ein Ersatzprogramm zu schaffen. So entstand eine Kulturreise zu den unzähligen Zeugnissen der über 1000-jährigen Geschichte des Landes. Breslau mit seinem berühmten Rathaus, der alten, von Kaiser Leopold I. gegründeten Universität und seinen großartigen Kirchen. Weitere Städte, wie Jelenia Gora (Hirschberg), Swidnica (Schweidnitz), Karpacz (Krummhübel) mit seiner norwegischen Stabkirche Wang und Legnica (Liegnitz) mit einem kleinen Museum zur Erinnerung an die 1241 geschlagene Schlacht zwischen deutschen Rittern und einem mongolischen Reiterheer.

 

„Trotz der sehr kurzen Erlebnisse auf dem Wasser wird uns diese ‚Ruderwander-Kulturreise’ stets als schöne und durch die turbulenten Umstände besonders verbindende Erinnerung im Gedächtnis haften bleiben“, erklärte Fahrtenleiter Hans-Ulrich Maeder.

 

 

Zu kurze Fahrt und so viel zu Schauen in wunderschöner Landschaft: Aus der Wanderfahrt der GRVE-Herren wurde wegen Hochwassers schließlich eine Kulturreise in Polen.