Wanderruderfahrt 2000 des Germania-Rudervereins Eutin

Auf der Suche nach neuen Gewässern und Landschaften fiel die Wahl auf Ostpreußen, die sagenumwobenen Masurischen Seen.

Zwei engagierte Mitglieder des GRVE erkundeten im Frühjahr vor Ort eine passende sportliche Wanderroute. Genau musste der Transport der vier Ruderboote mit Zubehör und Reservematerial über insgesamt 2500 Kilometer, die Hin- und Rückreise mit Bahn und Bus geplant und geeignete Unterkünfte für 18 Ruderkameraden gesucht werden.

Am Nachmittag des 22. Juni startete die Mannschaft in Eutin, am nächsten Tag gegen 19 Uhr bezogen wir das erste Quartier bei Lötzen (Gizycko) in kleinen Waldhäusern unter mächtigen Kiefern.

In sechs Tagesetappen ruderten wir unsere Boote über die Weite der Masurischen Seen und über verbindende enge Flüsse und Kanäle und legten insgesamt 170 anstrengende Kilometer teils bei Sonnenschein aber auch bei Sturm und Regen zurück. Für den Transport der Mannschaft am Morgen zum wechselnden Bootsliegeplatz, für die Picknickversorgung bei der Mittagsrast, und abends für die Rückfahrt zum Quartier haben wir einen Bus mit polnischem Fahrer gemietet, der über Telefon (Handy) zum erreichten Anlege-Ort dirigiert wurde. Unsere zweite Unterkunft war in Nikolaiken (Mikolajki), ebenfalls in einer Ferien-Wohnanlage.

Neben dem sportlichen Rudern war unser Anliegen natürlich gleichermaßen, Land und Leute zu sehen und zu sprechen.

Die große Stadt Allenstein, das sog. "Führerhauptquartier Wolfsschanze" bei Rastenburg und die mittelalterliche Marienburg des Deutschen Ordens haben wir besichtigt. Ein dörfliches Reiterfest wurde uns bei Sensburg vorgeführt, bei einer Künstler-Familie in Danzig waren wir eingeladen. Viele interessante, lustige und hilfreiche Menschen sind uns dabei begegnet.

Höhepunkt unserer Reise war die geführte Besichtigung der Innenstadt von Danzig und seiner Kirchen. Angesichts der schönen Stadt und ihrer bewegten Geschichte wurde uns die Bedeutung des Spruchs auf einem Bürgerhaus-Giebel bewusst Umbra sunt dies nostri (Ein Schatten sind unsere Tage).

Zum Abschluss sind wir auf den Turm der Marienkirche gestiegen und haben den weiten Rundblick über die alte und die neue Stadt, die vergangene deutsche und die neue polnische Zeit auf uns wirken lassen.

Auf dieser ersten Wander-Ruderfahrt haben wir schöne und nachhaltige Einblicke in dieses heute noch ferne Land erlebt und denken teils auch mit traurigen Gedanken an das ehemals deutsche Ostpreußen/Danzig zurück.

Am 2. Juli trafen Mannschaft und Boote heil wieder in Eutin ein.

Rudolf Stein 07.07.2000